Licht ins Dunkel (bringen): UV-Licht für Reptilien Reptilien können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren. Deshalb ist die artgerechte Austattung des Terrariums mit UV-Strahlung lebenswichtig. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Kauf und der Anbringung der speziellen Lampen achten sollten! 11 Anschaffung & Ausstattung Immunsystem

Folgen einer falschen oder fehlenden Beleuchtung

Bei fehlender UV-B-Strahlung entsteht Vitamin-D3-Mangel, was zur Folge hat, dass zu wenig Kalzium in den Knochen eingelagert wird. Die Knochenmasse erweicht und verliert an Stabilität, was besonders bei stark beanspruchten Teilen des Skeletts wie Unterkiefer, Wirbelsäule oder dem Panzer zu Verformungen und Missbildungen führt.

Zudem kann eine UV-Unterversorgung zu Störungen des Hautmilieus führen. Es ist immer wieder ärgerlich, dass rund 90 % der mir vorgestellten Reptilien erkrankt sind, weil sie suboptimal oder falsch gehalten werden. Eine präventive Haltungsberatung hätte sicherlich einer Vielzahl meiner Patienten längere Klinikaufenthalte und Leiden erspart.

Aber welche Tiere benötigen nun eigentlich UV-B-Licht?

Eine Auflistung ist an dieser Stelle nicht realistisch. Dafür gibt es einfach viel zu viele artspezifische Unterschiede innerhalb der verschiedenen Reptilien. Es wird vom Halter vorausgesetzt, dass er sich im Vorhinein mit den Bedürfnissen seiner zukünftigen Pfleglinge auseinandersetzt und sich dementsprechend informiert.

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UV-A (315-380nm)

UV-B (280-315 nm)

UV-C (100-280 nm)

Wussten Sie, dass?

Fachgerechtes Anbringen der Lampen

Leider sind sich viele Halter nicht bewusst, dass normales Glas die UV-B Strahlung nahezu vollständig absorbiert. Die Lampen dürfen also nicht über dem Glas angebracht werden.

Eine zu nahe Anbringung der Lampen kann zu Bindehaut- und Hornhautschäden bei den Terrarienbewohnern führen. Es empfiehlt sich den Anweisungen auf der Verpackung zu folgen und die Lampen fachgerecht zu installieren.

Werden die Lampen direkt auf das Gitter in Kontakt zum Glas gestellt, kommt es nicht selten zum Sprung des Glases aufgrund einer zu hohen Wärmebelastung. UV-Lampen sollten immer senkrecht angebracht werden. Eine schräge oder seitliche Montage verursacht in vielen Fällen Schäden an den Augen der Terrarienbewohnern.

Unterschiedliche Lampen-Modelle:

Metalldampflampen (Vorschaltgerät notwendig)
Metalldampflampen sind je nach Anbieter und Modell in den unterschiedlichsten Wattzahlen von 35-150 Watt auf dem Markt. Die Kombination aus UV-B-Strahlung und sehr hellem sichtbarem Licht und Wärme bieten vielen Sonnenanbetern eine ideale Lichtquelle. Die UV-BStrahlung ist höher als bei Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren. Bei diesen Lampen sind der Watt-Zahl entsprechende Vorschaltgeräte zur Strombegrenzung und zur Zündung notwendig. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Vorschaltgeräte Strom sparen und bereits nach wenigen Jahren den zusätzlichen Beschaffungswert des Vorschaltgerätes durch reduzierte Stromkosten ausgleichen.

Kompaktlampen
Kompaktlampen stellen eine ideale Kombination von UV-B-Strahlung und sichtbarem Licht. Besonders für Terrarientiere die keinen hohen Temperaturen ausgesetzt werden sollten, oder weniger UV-B-Strahlung benötigen, ist der Einsatz dieser Energiesparlampen sehr interessant. Diese Lampen werden zunehmend auch in der Haltung von Amphibien oder nachtaktiven Echsen eingesetzt, die vielleicht während ihrer Ruhephasen tagsüber einen geringen Anteil von UV-Strahlung in der Natur aufnehmen. Zunehmend werden solche Lampen auch in Schlangenterrarien genutzt, auch wenn in vielen Fällen die Notwendigkeit umstritten ist.

Mischlichtlampen (kein Vorschaltgerät notwendig)
Mischleuchten sind eine Kombination von HQ-Leuchte, Glühlampe und Vorschaltgerät. Sie sind unter Markenbezeichnungen wie „Osram Ultravitalux“ erhältlich. Viele Modelle weisen leider zu starke Konzentrationspunkte der Strahlung auf, was beim Einsatz als normale Leuchtstoffquelle kontrainduziert sein kann. Die in der Terraristik allzeit genutzte Osram Ultravitalux wird hauptsächlich in großen Terrarien oder als Therapieleuchte beim Tierarzt eingesetzt. Hier genügt oftmals eine tägliche Bestrahlungszeit von lediglich 15-20 Minuten aus.

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Fun Fact: Leuchtende Schleuderzungen

Forscher der Zoologischen Staatssammlung München publizierten im Januar 2018 in der Zeitschrift „Scientific Reports“ eine bisher unentdeckte Eigenschaft bei Chamäleons. Mittlerweile ist bekannt, dass auch andere Reptilien unter UV-Licht Muster zeigen. Diese Musterungen sind für das menschliche Auge sonst nicht sichtbar. Ob diese Biofluoreszenz beim Auffinden eines passenden Partnertieres hilfreich ist, oder ob sich Chamäleons so vielleicht vor übermäßigem Sonnenlicht oder Fressfeinden schützen ist und bleibt noch ungeklärt.

KURZ UND KNAPP

Dank der Terraristik haben viele Exoten in den letzten Jahren einen viel höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft erlangt. Während der schwedische Zoologe Carl von Linné im 18. Jahrhundert noch alle Schuppenkriechtiere als „ekelhaft“ und „widerwärtig“ beschrieb, zeigen im 21. Jahrhundert immer mehr Menschen Interesse an diesen prachtvollen Geschöpfen.

Eine naturnahe und artgerechte Haltung dieser Tiere in Gefangenschaft ist zweifellos ohne weiteres möglich (vielleicht sogar hilfreich für den Artenschutz), solange der Halter sich bereit erklärt, sich das nötige Fachwissen anzueignen. Eigentlich gibt es doch nichts Interessanteres, als ein ganzes Biotop in „Miniaturform“ nachzuahmen und darin ein Tier zu pflegen, das sich „wie zuhause“ fühlt und sich auch dementsprechend verhält.

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