Inappetenz beim Meerschweinchen – Ursachen und Folgen der Appetitlosigkeit Meerschweinchen sind auf eine gleichmäßige Nahrungsaufnahme angewiesen und geraten bei längeren Fastenzeiten ungewöhnlich schnell in Lebensgefahr. Lesen Sie hier, worauf Sie achten sollten & wie Sie Ihr Tier zufüttern können! 15 Ernährung Gewicht

Welche Ursachen kann Inappetenz haben?

Appetitlosigkeit kann ein Symptom unterschiedlichster Erkrankungen sein. Der vollständigen Futterverweigerung gehen oftmals einige Tage voraus, an denen das Tier weniger frisst oder weichere Futterbestandteile selektiert.

Mögliche Ursachen für Inappetenz sind:

  • Zahn- und Kiefererkrankungen
  • starke Schmerzen
  • Infektionskrankheiten
  • Verdauungsstörungen
  • Erkrankungen von Herz, Leber, Schilddrüse, Harnblase, Niere oder Gebärmutter
  • die Verabreichung ungeeigneter Antibiotika
  • Fütterungsfehler

Achtung:

Fütterungsfehler

Welche Ernährung ist empfehlenswert?

Die Verdauungsorgane des Meerschweinchens sind besonders empfindlich. Um ihren hohen Energieumsatz aufrechterhalten zu können, nehmen Meerschweinchen innerhalb von 24 Stunden bis zu 100 kleine Futterportionen zu sich. Daher ist die häufigere Fütterung kleinerer Mahlzeiten der einmal täglichen Fütterung einer großen Ration vorzuziehen.

Die regelmäßige Aufnahme rohfaserreicher Nahrung ist für die Tiere essenziell. Sie benötigen jederzeit hochwertiges Heu zur freien Verfügung (Ad-libitum-Fütterung), um ihren Rohfaserbedarf zu decken. Wird der Rohfaserbedarf nicht ausreichend gedeckt, entstehen Instabilitäten der Darmflora. Diese führen zu gefährlichen Fehlgärungen, die eine Aufgasung des Darmes und Durchfälle verursachen. Insbesondere der Blinddarm bläht sich stark auf, da er als Gärkammer dient.

Zusätzlich zum Heu sollten Frischfutter und getreidefreies Trockenfutter angeboten werden. Als Frischfutter bietet sich strukturiertes Grünfutter an, z. B. Möhrengrün, Löwenzahn, Brennnesseln und Kohlrabiblätter. Auch Salate (kein Kopfsalat) und Gemüse wie Gurke, Karotte, Paprika, Tomate, Sellerie, Mangold oder Chicorée sind empfehlenswert. Achtung, Meerschweinchen haben ein erhöhtes Harnsteinrisiko! Aus diesem Grund sollten sie stark kalziumhaltige Futtermittel wie Luzerneprodukte, Kräuter und Brokkoli nur in sehr geringen Mengen fressen.

Frisches Trinkwasser muss jederzeit zur freien Verfügung stehen.

Die Ernährung sollte sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzen:

  • jederzeit Heu zur freien Verfügung
  • zwei abwechslungsreiche Frischfutterportionen
  • maximal ein Esslöffel getreidefreies Trockenfutter pro kg Körpergewicht
  • kleine Mengen Obst
  • gelegentlich getrocknete Kräuter- oder Blütenmischhugen und Äste mit frischen Blättern von ungespritzten Bäumen

 

Meerschweinchen können Vitamin C nicht selbstständig bilden. Ihr täglicher Bedarf muss daher durch Vitamin-C-haltiges Gras oder Grünfutter gedeckt werden. Dazu bieten sich insbesondere Hagebutten, Brennnesseln, (v. a. gelbe) Paprika und Brokkoli an. In den Wintermonaten empfiehlt es sich, mit Vitamin C angereichertes Wasser anzubieten. Wird der Bedarf nicht gedeckt, entstehen Mangelerscheinungen.

Zu den typischen Fütterungsfehlern zählen:

Was passiert, wenn das Tier nicht frisst?

Der Mageninhalt gelangt bei den Meerschweinchen nur in den Darm, wenn die Tiere ständig fressen und das aufgenommene Futter die Nahrung in den Darm schiebt. Dies liegt daran, dass der Magen nur eine schwach ausgeprägte Muskelschicht enthält. Er kann sich deshalb nicht durch Muskelkontraktionen entleeren. Sind die Tiere inappetent, verweilt das Futter im Magen. Dort entstehen Fehlgärungen, die eine rasche Aufgasung (Tympanie) des Magens verursachen. Durch die schwache Muskulatur dehnt sich der aufgegaste Magen so massiv aus, dass er Herz, Blutgefäße und Lunge beengt. Die Heimtiere leiden dann unter Durchblutungsstörungen und Atemnot bis hin zum Kreislaufschock. Die Tympanie ist sehr schmerzhaft und trägt damit ebenfalls zum Schockgeschehen bei.

Auch der Darm enthält nur eine sehr dünne Muskelschicht, sodass das Futter nur nachgeschoben werden kann, wenn die Tiere in ihren Aktivitätsphasen (in der Dämmerung) ständig fressen. Andernfalls verweilt das Futter im Darm und verursacht gefährliche Fehlgärungen, die eine starke Aufgasung des Darmes und Durchfälle verursachen.

Zusätzlich verschiebt sich bei einer Inappetenz die Zusammensetzung der Darmflora, sodass sich gefährliche Keime ausbreiten und nützliche Bakterien verdrängen. Hierbei kann es zu einer Überwucherung der Darmflora mit Hefen kommen, die eine weitere Futterverweigerung nach sich zieht.

Der Körper versucht den entstehenden Energiemangel durch die Mobilisation seiner Fettreserven zu kompensieren. Die Leber wird dabei erheblich mit freien Fettsäuren belastet, sodass eine toxische Leberverfettung entsteht.

Welche Rolle spielen die Bakterien der Darmflora?

Die Darmflora hat wesentlichen Einfluss auf die Verdauung des Meerschweinchens. Im Blinddarm finden die Hauptverdauungsprozesse des Tieres statt. Hier werden rohfaserhaltige Futtermittel mithilfe bestimmter Bakterien der Darmflora zersetzt. Der Blinddarm dient dabei als Gärkammer, in der die im Futterbrei vorhandenen Kohlenhydrate abgebaut und schwer verdauliche Zellulose aufgeschlossen werden. Dabei entstehen Glukose und organische Säuren wie Fettsäuren, die resorbiert und für den Energiestoffwechsel verwertet werden. Unverdaute Eiweiße werden im Dickdarm mithilfe von Bakterien vergärt und vom Körper aufgenommen.

Die Bakterien im Blinddarm ermöglichen die Bildung von Vitamin K und B-Vitaminen. Das Meerschweinchen scheidet die Vitamine mit dem hellen, weichen und glänzenden Blinddarmkot, der mit einer Schleimschicht überzogen ist, periodisch aus. Die Tiere nehmen diesen sogenannten Vitaminkot meist sofort nach dem Kotabsatz wieder auf (Zäkotrophie). Die im Blinddarm gebildeten Eiweiße und Vitamine werden dem Tier somit wieder zur Verfügung gestellt und können im Magen und Dünndarm verwertet werden. Der Vitaminkot ist zudem reich an Bakterien und erneuert so die Darmflora. Wird das Meerschweinchen an der Aufnahme des Vitaminkots gehindert, stirbt es innerhalb weniger Wochen.

Im Blinddarm findet darüber hinaus die Spaltung von Harnstoff statt, der über die Darmwand in den Darm gelangt. Das dabei entstehende Ammoniak bildet eine wichtige Stickstoffquelle, die von den Dickdarmbakterien zum Aufbau von Aminosäuren genutzt wird.

Herbi Care Plus

Die Zwangsernährung ist eine wesentliche Sofortmaßnahme bei inappetenten Meerschweinchen. Sie benötigen Ihre Unterstützung bis sie wieder selbstständig fressen.

Tierarzt24 Herbi Care Plus bietet eine gute und anwenderfreundliche Lösung. Das energiereiche Alleinfuttermittel ist sehr schmackhaft und aufgrund seines hohen Rohfasergehalts hervorragend auf die physiologischen Bedürfnisse des Meerschweinchens abgestimmt. Lebenswichtige Vitamine und Spurenelemente stärken gemeinsam mit den aus der Hefe gewonnenen Nährstoffen die Abwehrkräfte der geschwächten Patienten und unterstützen die Regeneration der Zellen. Sind die Tiere längere Zeit inappetent, ist zusätzlich eine Substitution mit Vitamin C erforderlich.

So wird Tierarzt24 Herbi Care Plus richtig angemischt

Das Alleinfuttermittel wird mit Wasser zu einem Brei oder einer Flüssigkeit angerührt. Dies hat die Vorteile, dass die Heimtiere das Futter freiwillig aufnehmen können, Sie die Flüssigkeit aber auch mit einer Spritze ins Maul eingeben können, falls sie die Futteraufnahme vollständig verweigern. Ziel ist es, dass die Tiere möglichst rasch wieder eigenständig ein für sie geeignetes Futter aufnehmen. Besonders geschwächten Meerschweinchen sollten Sie (während der Aktivitätsphasen) alle 2 bis 3 Stunden kleine Mengen Herbi Care Plus anbieten oder verabreichen.

 

Verabreichung von Tierarzt24 Herbi Care Plus

Zubereitung der Ration:

  1. Bestimmen Sie das Körpergewicht mithilfe einer kleinen Waage.
  2. Füllen Sie die empfohlene Menge des Pulvers mithilfe des Messlöffels in das Schälchen. Fügen Sie nun die angegebene Menge lauwarmen Wassers hinzu.
  3. Vermischen Sie das Wasser mit dem Pulver zu einem zähflüssigen Brei. Ist er zu fest, können Sie einige Tropfen Wasser hinzufügen, um den Brei zu verdünnen. Ist die Lösung zu flüssig, geben Sie ein wenig Pulver hinzu, um die Konsistenz zu festigen.

 

In den meisten Fällen fressen die Tiere die schmackhafte Nahrung selbstständig. Wenn sie die Nahrungsaufnahme verweigern, stellen Sie eine Flüssigkeit her, die Sie ihnen mit der Spritze ins Maul verabreichen können. Je nach hergestellter Konsistenz können Sie die Flüssigkeit mit der Spritze aufziehen oder den Spritzenstempel entfernen und die Spritze mit einem Löffelende oder einer Messerspitze befüllen, ehe Du den Stempel wieder aufsetzt. Das inappetente Heimtier setzen Sie sich für die Fütterung am besten auf den Schoss und drücken es sanft, aber bestimmt an Ihren Körper. Schränken Sie dabei die Beweglichkeit des Kopfes sanft mit einer Hand ein und verabreichen Sie dem Tier nach und nach kleinere Portionen. Diese sollten ein Volumen von 0,5 enthalten, damit sie vom Tier richtig abgeschluckt werden können und das Futter nicht aus dem Maul herausläuft.

Kurz und knapp

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