Hüftgelenkdysplasie - Physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten beim Hund Das Hüftgelenk führt bei Hunden häufig zu Problemen im Bewegungsapparat mit starken Lahmheiten in den Hintergliedmaßen. Warum Physiotherapie ein sehr wichtiger Bestandteil der Therapie von HD ist, erfahren Sie in diesem Beitrag. 12 Gelenke

Was ist eine Hüftgelenkdysplasie?

Die Hüftgelenkdysplasie (HD) ist eine erblich bedingte Entwicklungsstörung des Hüftgelenks, die zu einer Fehlentwicklung (Dysplasie = Fehlbildung) der zum Hüftgelenk gehörenden Knochenanteile führt. Durch Verformung passen die gelenkbildenden Anteile nicht mehr richtig zueinander. Es kommt zu einer Instabilität im Gelenk, somit zu Störungen im natürlichen Bewegungsablauf und schließlich zu Schmerzen. Diese Fehlbildung tritt in der Regel an beiden Hüftgelenken auf, wobei die Ausprägung unterschiedlich sein kann.

Von der Krankheit sind hauptsächlich große Hunde beiderlei Geschlechts mit einem Körpergewicht von > 25 kg betroffen. Ein bekanntes Beispiel ist der Deutsche Schäferhund, aber auch andere Rassen wie Berner Sennenhunde, Bernhardiner, Golden Retriever, Boxer, Foxhounds oder Bluthunde sind betroffen. Obwohl die Erkrankung vererbt wird, ist die Entwicklung, insbesondere in den ersten 6 Lebensmonaten der Tiere ausschlaggebend dafür, ob und in welchem Ausmaß die Hüftgelenkdysplasie ausbricht. Die Biomechanik im Gelenk und somit die Ausbildung der Gelenklockerheit werden maßgeblich durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  • Wachstumsrate
  • Körpergröße
  • Muskelmasse
  • Körperbau
  • Typ
  • Ernährung
  • Belastung

Gut zu wissen

Das Hüftgelenk eines Hundes:

  1. Oberschenkelkopf (Femurkopf)
  2. Hüftgelenkpfanne (Azetabulum)
  3. vorderer Pfannenrand (kranialer Rand des Azetabulums)
  4. Oberschenkelhals

Hüftgelenkdysplasie beim Hund:

  1. abgeflachter Oberschenkelkopf
  2. abgeflachte Hüftgelenkpfanne
  3. offener vorderer Pfannenrand
  4. schlecht abgesetzter Oberschenkelhals

Schwere Hüftgelenkdysplasie beim Hund:

  1. hochgradig abgeflachter walzenförmiger Oberschenkelkopf
  2. totale Abflachung der Hüftgelenkpfanne
  3. komplett offener vorderer Pfannenrand
  4. stark verbreiterter und verkürzter Oberschenkelhals

Fallbeispiel „Leyla“

Physiotherapeutisches Behandlungskonzept

Zunächst wurde bei Leyla eine konservative HD-Therapie begonnen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Therapie ist die physiotherapeutische Behandlung, um die Beweglichkeit und Stabilität zu verbessern, die Muskeln aufzubauen und eine Schmerzfreiheit zu erreichen. Da Leyla zwar eine symptomfreie Zeit hatte, dann aber vermehrt Lahmheiten zeigte, entschieden sich die Besitzer schließlich zu einer Operation (Totalendoprothese, TEP), bei der Leyla ein künstliches Hüftgelenk erhielt. Dadurch sollte ihre Lebensqualität dauerhaft verbessert und ihre Belastbarkeit erhöht werden.

Bei einer HD sind folgende physiotherapeutische Maßnahmen empfehlenswert:

  • passive Therapie
  • Thermotherapie
  • Massage
  • passives Bewegen
  • Traktionen - Stretching (Dehnungen)

 

  • aktive Therapie
  • Haltewiderstandsübungen (isometrische Übungen)
  • Hydrotherapie (Unterwasserlaufband)
  • Slalomlaufen
  • Cavaletti-Training
  • Ausdauertraining (bergauf gehen)

Passive Therapie

Zur Vorbereitung der Muskulatur eignet sich eine Thermotherapie. Hierbei werden der den Rücken und die Hinterbeine für 10 Minuten mit einer Rotlichtlampe bestrahlt beziehungsweise mit der heißen Rolle behandelt.

Nachdem das Tier aufgewärmt wurde und sich an die Situation gewöhnen konnte, kann mit der Massage begonnen werden. Wichtig ist, dass das ganze Tier und seine durch die Hüftgelenkdysplasie entstandenen muskulären Ungleichmäßigkeiten (Dysbalancen) erkannt und behandelt wird. Das Tier hat Schmerzen im Bereich der Hüftgelenke und versucht diese zu verringern, indem es die heranziehenden Muskeln an den Schenkelinnenseiten (Adduktoren) stärker anspannt und die Last vermehrt auf Vorhand und Rücken verteilt.

Auch die Pfoten, insbesondere die kleinen Muskeln an den einzelnen Zehengelenken, sollten immer mit massiert werden da diese durch die dauernden Fehlbelastungen oft sehr schmerzhaft sein können.

Nach dieser Vorbereitung werden die Traktionen des Hüftgelenks durchgeführt. Dieses gezielte, vorsichtige Auseinanderziehen der Gelenkflächen (Gelenkmobilisation) führt zu einer reflektorischen Entspannung der gelenkumgebenden Muskulatur. Wichtig ist, dass Stärke und Länge der Traktion (durchschnittliche Haltedauer 5–20 Sekunden) von einer Therapiesitzung zur anderen langsam gesteigert werden.

Aktive Therapie

Zu Beginn der aktiven Physiotherapie werden Haltewiderstandsübungen (isometrische Übungen) genutzt. Hier wird mit einer Hand zum Beispiel Druck auf das Kreuzbein ausgelöst, mindestens 6 Sekunden gehalten und dann schnell gelöst. Die andere Hand liegt nur locker und unterstützend im Inguinalbereich (Leiste) am Bauch des Tieres. Das Tier stemmt sich gegen den Boden und spannt reflektorisch die Muskulatur an. Mit einer weichen Unterlage oder einem Trampolin kann der Effekt verstärkt werden. Die Übungen werden jeweils 5- bis 10-mal wiederholt.

Zur Hydrotherapie eignet sich besonders gut ein Unterwasserlaufband, da die Bewegung gegen den Wasserwiderstand durchgeführt werden muss. Hier kann das Training, je nach Fortschritt des Patienten, langsam gesteigert werden (etwa 3–15 Minuten). Arbeiten gegen eine Steigung oder mit Gewichtsmanschetten im Wasser ist ebenfalls möglich. Durch die Gewichte werden Beugung und Streckung, insbesondere der Hinterhand verstärkt und somit die notwendige Muskelkraft erhöht, die dafür benötigt wird. Dies verbessert schließlich den Trainingseffekt der Muskulatur.

Gut zu wissen

Kurz und knapp

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