Wie junge Pferde von erfahrenen Pferden lernen können Pferde sind für ihre Neugierde bekannt und lernen viel durch Zuschauen. In der Jungpferdeausbildung ist ein erfahrener Artgenosse daher ein perfektes Vorbild. Hier erfahren Sie mehr! 12 Erziehung, Training & Sport

Echtes Teamwork, basierend auf Vertrauen

Ein Pferd, das mit Spaß und Freude einen Geländekurs absolviert, von sich aus einen Sprung motiviert anzieht und clever mitdenkt. Das ist es, was dem Geländereiter eine unvergleichbare Freude bereitet. Ein echtes Teamwork, dass uns so stolz auf unsere Pferde machen lässt. Das gegenseitige Vertrauen, das gegenseitige Helfen in unglücklichen Situationen. Bei großen Geländeprüfungen sind wir durchaus 10 Minuten im Galopp unterwegs. Man kann nicht, wie manchmal in einem Springparcours, das Atmen vergessen. Man hört auf sein Pferd, beachtet das Ohrenspiel, spricht mit seinem Pferd.

Sanfte Ausrüstung

Der Aufbau dieses gegenseitigen Vertrauens beginnt bei uns im jungen Pferdealter. Die Pferde kommen in der Regel 4-jährig zu uns. Oftmals gerade angeritten, sehr oft noch nicht unter dem Sattel gesprungen. Zum Kennenlernen der Pferde, werden diese erst in unserer kleinen Reithalle geritten. Dort können sie sich, nicht abgelenkt durch äußere Einflüsse, gut auf den Reiter konzentrieren. Wir reiten unsere Pferde alle gern auf einer normalen Wassertrense und mit einem Halsriemen. Dieser dient natürlich auch als Halt in einer Notsituation, aber auch als Bremse, damit das junge Pferd nicht mit einer scharfen Parade konfrontiert werden muss. Die Hand soll weich bleiben, negative Emotionen gibt es nicht auf dem Pferd. Auch die älteren Pferde reiten wir täglich mit Halsriemen. Sie reagieren damit gut auf Paraden. Dieses ist sicherlich auch eine Ursache, dass wir fast alle Pferde im Parcours und im Gelände mit einem normalen Gebiss reiten können.

Lernen durch Zuschauen

Wie können wir nun dem jungen Pferd beibringen, das es vertrauensvoll sich im Gelände bewegt und ohne Furcht über feste Hindernisse springt? Pferde lernen sehr viel durch Zusehen und diese neugierige Eigenschaft machen wir uns in der Ausbildung der jungen Pferde zu nutzte. Es gibt eine sehr interessante Studie auf YouTube von Professor Konstanze Krüger, Professorin für Pferdehaltung. Der Titel „Pferde sind schlaue Zuschauer“ wird dort mit vielen interessanten Beispielen anschaulich belegt.

Verlässt bei uns das junge Pferd nach ein paar Tagen zum ersten Mal die gewohnte Reithalle, wird ihm ein erfahrenes, sicheres Führpferd an die Seite gestellt. Mit diesem Pferd vorweg wird der Reitplatz erst im Schritt, dann in den schnelleren Gangarten umrundet. Nach einigen Tagen kann das junge Pferd sich auch sicher allein auf dem Platz bewegen, da es ja von dem älteren Pferd gelernt hat, dass ihm keine Gefahr droht. Die Hindernisstangen und Ständer am Rand, der Strandkorb, der Reitlehrer in der Mitte des Platzes sind selbstverständlich. Danach umrundet der Youngster mit seinem Kumpel den Hof. Diese Ausflüge werden erweitert, die ersten Ausritte werden unternommen. Wir legen viel Wert darauf, dass ein junges Pferd bereits jetzt schon lernt, auf verschiedenen Böden zu gehen, sich bergauf und bergab auszubalancieren und durch Knicks und Pfützen zu gehen. Dieses finde ich sehr wichtig für eine stabile Entwicklung der Sehnen, Bänder und Gelenke, die ein Geländepferd natürlich benötigt. Auch lernt es bereits früh, seine Balance zu finden. Und das alles möglichst ohne Stress, da sein erfahrener Kumpel ihm ja vermittelt, dass keine Gefahr besteht.

Erste Sprünge in der Halle

Ab ins Gelände!

Oft lassen wir den Youngster erstmal zusehen. Erfahrene Pferde um ihn herum springen Bäume, Gräben und gehen ins Wasser. Allein das ist schon sehr spannend für einen Geländeneuling. Als erste Geländesprünge suchen wir uns niedrige, einladende, breite Hindernisse aus. Baumstämme eignen sich sehr gut. Sie sind meist breit und bieten eine gute Grundlinie. Mit dem Führpferd vorweg geht es im Trab über das Hindernis. Wurde es von beiden Seiten überwunden, bleibt das Führpferd auf einer Seite hinter dem Sprung stehen und das junge Pferd überwindet allein den Sprung in Richtung auf den Kumpel zu. Wir haben das Glück, dass wir direkt bei uns den schönen Geländeplatz des RuFV Größenwiehe haben, so dass wir eigentlich immer die Möglichkeit haben, dort hinzureiten. Es werden pro Einheit immer nur ein paar Sprünge gemacht. Die Kraft muss erst mal aufgebaut werden und das junge Pferd soll mental nicht überfordert werde. Aber wir reiten durchaus 2-3 Mal in der Woche ins Gelände und suchen uns immer neue kleine Hindernis aus, die kennengelernt werden sollen.

Keine Angst vor Wasser

Am Ende einer jeden Einheit wird erstmal das Wasser durchritten, erst im Schritt, später auch im Trab oder Galopp. Ein Wasserhindernis stellt immer wieder mal für einige Pferde ein Problem dar. Es ist also sehr wichtig, dass das Pferd jetzt ohne Stress und Probleme lernt, vertrauensvoll durchs Wasser zu gehen. Schließlich soll es nachher einmal über große Stufen oder Hindernisse reinspringen. Also, jetzt mit Ruhe und Geduld daran gehen. Manchmal stellen wir dem Greenhorn auch zwei ältere Pferde an die Seite. Sie können den Youngster gut rechts und links einrahmen und mit ins Wasser nehmen. Pferde, die es so lernen, springen tatsächlich auch später mit Freude ins Wasser.

Vielfältige Hindernisse – auch im fremden Gelände

Springt das junge Pferd alles gut im Trab, werden die Hindernisse danach im Galopp überwunden. Oft muss der Reiter sich dabei gut „anschnallen“, weil viele Pferde nach dem Sprung gern mal motiviert losbocken. Aber auch das gehört dazu und wird als Ausdruck der Freude gewertet. Es dauert nicht lange, dann werden auch Stufen und Gräben mit dazu genommen.

Es ist wirklich erstaunlich, denke ich jedes Mal wieder, dass Youngster, die im Februar ihre ersten Geländesprünge absolviert haben, bei unserem Turnier Anfang April bereits eine Geländepferdeprüfung gut meistern. Es ist zwar ein ihnen vertrauter Platz, aber die Turnieratmosphäre mit Trubel, Ansage und Zelten ist trotzdem neu und aufregend. Danach ist es an der Zeit, mit den jungen Pferden mal fremde Geländeplätze anzusteuern. Das Prinzip mit dem Führpferd wird auch hier je nach Bedarf eingehalten. Wichtig ist, dass ein Pferd es gar nicht erst lernt, anzuhalten oder vorbeizulaufen.

Die Höhe der Hindernisse ist für ein Vielseitigkeitsneuling erst einmal gar nicht so wichtig. Es geht uns vielmehr um die Vielfalt der Sprünge. Jeder Geländekurs ist anders, kein Sprung ist wie der andere. Um das Vertrauen aufzubauen, müssen viele verschiedene kleine Sprünge geübt werden. Die Höhe kommt erst später mit steigender Erfahrung und Kraft dazu.

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